Grundschrift

Die Wege der Kinder in die Schrift beginnen in der Regel weit vor ihrem Schulanfang: Sie entdecken Buchstaben und Schriftzüge und beobachten ältere Kinder und Erwachsene beim Schreiben und beim Lesen. Viele Kinder beginnen selber Schrift zu produzieren: einen Krickelbrief an die Mama, ihren Namen unter ein Bild für den Papa. Die Kita unterstützt die Neugier der Kinder auch auf die Schrift und ihren Umgang mit Buchstaben.

Dies ist denn auch die Alltagserfahrung der Lehrkräfte zum Schulanfang: Schrift ist Kindern heute nichts Fremdes. Zumindest ihren Namen können die meisten Kinder schreiben, viele schreiben auch schon mehr. Und sie verwenden dabei die Buchstabenformen, die sie überall in ihrer Lebenswelt entdecken: auf Plakaten wie auf der Tastatur oder auf dem Einkaufszettel: die Buchstabenformen der lateinischen Druckschrift.

Daraus wurden vier Konsequenzen gezogen:

  1. Der begonnene Weg der Kinder in die Schrift wird an den bereits erworbenen Kompetenzen fortgesetzt.
  2. Die Grundschule geht nicht mit allen Kinder im gleichen Lehrplanschritt voran, sondern unterstützt die Kinder gerade dort, wo sie sich in ihrer unterschiedlichen Entwicklung befinden.
  3. Die Grundschule setzt nicht von Anfang an die normgerechte Rechtschreibung als Maß, sondern geht aus vom lautorientierten Verschriften.
  4. Die Grundschule nutzt die Orientierung der Kinder an den lateinischen Druckbuchstaben und übernimmt die handgeschriebenen Druckbuchstaben als Ausgangsschrift - und nicht zugunsten einer normierten Schulschrift.

Und dennoch erfolgte die Einführung der üblichen Schreibschrift LA, VA oder SAS erfolgte als zweite Ausgangsschrift zumeist am Ende des ersten oder am Beginn des zweiten Schuljahres.

Diese Abfolge veranlasste den Grundschulverband im Jahr 2005 zu fragen: Wie viele Schriften brauchen Grundschulkinder?

Die Antwort: Für die Weiterentwicklung zu einer individuellen Handschrift ist nur eine Ausgangsschrift erforderlich. Die weitere Schriftentwicklung muss dann unterrichtlich begleitet werden, auch mit dem Ziel, wie es die Bildungsstandards vorgeben: eine gut lesbare, flüssig geschriebene Handschrift – genau das sehen die Richtlinien für die Grundschule vor.

Die Zeit, die durch den Verzicht auf die zweite Ausgangsschrift gewonnen wird, kann nun der weiteren Schriftentwicklung zu Gute kommen, um Kinder zu einer gut lesbaren und flüssig geschriebenen Handschrift zu verhelfen.

Dieser Position des Grundschulverbandes haben wir uns an der Johannesschule im Jahr 2014 angeschlossen. Seitdem lernen die Kinder an unserer Schule als verbundene Schrift die Grundschrift.

Wichtig für die Grundschrift sind drei fachbezogene Kriterien:

Formklarheit der Buchstaben („Kann man jeden Buchstaben gut erkennen?“)

Leserlichkeit („Kann man alles gut lesen?“)

Geläufigkeit („Ist der Buchstabe / das Wort / der Text mit Schwung geschrieben?“)

Diese Kriterien werden bei der täglichen Arbeit mit den Kindern beachtet.